Digitales Prüfen an der Hochschule: Bernhard Waglechner über die Prüfungsplattform bizExaminer

Wie funktioniert digitales Prüfen? Ist das nur ein Trend der Zeit oder eine nachhaltige Digitalisierungsmaßnahme? Bernhard Waglechner ist Experte für digitale Prüfungsabwicklung und begleitet mit bizExaminer unter anderem Hochschulen durch den Prüfungsalltag. Im Gespräch erzählt er von den Herausforderungen des digitalen Prüfens, aktuellen Trends und dem heiklen Thema Fernüberwachung.

19.04.2022

von Isabella Zick

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Vor über acht Jahren hat Bernhard Waglechner mit seinem Team von BizDevelop die Prüfungssoftware bizExaminer entwickelt. Entstanden im Bereich der Zertifizierungs- und Anwenderprüfungen ist die Software mittlerweile auch im Hochschulsektor angekommen. In den letzten Jahren hat Waglechner viele Hochschulen beim Umstieg von Papier- auf digitale Prüfungen unterstützt und erfahren, welche Herausforderungen mit einer solchen strukturellen Veränderung einhergehen.

Mit Bernhard Waglechner haben wir über die Abwicklung digitaler Prüfungen, das kritische Thema Fernüberwachung und die Rückkehr zum “alten Normal” gesprochen – und viel über das digitale Prüfen an Hochschulen gelernt.

Hallo, Bernhard. Euer Claim lautet “Stressfrei prüfen” – das hören Studierende sicher gern!

Das glaube ich – leider muss ich die Studis da kurz enttäuschen. Mit dem englischen “stress-free” spielen wir nicht auf eine stressfreie, entspannte Prüfung für die Prüfungsteilnehmer*innen an, sondern auf die Durchführung. Denn: Eine digitale Prüfung muss ohne Probleme funktionieren.

Bevor wir voll in die Materie einsteigen: Man kann “digitales Prüfen” auf verschiedenste Arten interpretieren. Von der Computerprüfung an der Uni bis zur mündlichen Prüfung per Videocall. Auf welche Art des digitalen Prüfens konzentriert ihr euch mit bizExaminer?

Bei uns geht es um das digitale Abwickeln schriftlicher Prüfungen. Sprich: Das, was früher auf Papier abgefragt wurde, wird über den Computer abgewickelt – zum Beispiel in den typischen Computerräumen an der Hochschule oder mittels “Bring your own device”. bizExaminer ist eine Prüfungsplattform, auf der man Prüfungen konfigurieren und den gesamten Ablauf der Prüfung sowie die Auswertung verwalten kann.
Auch die schriftliche Prüfung aus der Ferne gibt es bei uns, aber wir bieten selbst keine Fernüberwachung an, nur die Prüfungsplattform. Bei Bedarf arbeiten wir mit entsprechenden Anbietern zusammen und haben auch technische Schnittstellen von fertigen Lösungen integriert.

Weil Fernüberwachung von digitalen Prüfungen ein recht heikles Thema ist?

Nein, in erster Linie, weil viele Hochschulen schon eine bevorzugte Lösung zur Fernüberwachung haben – sei es jetzt Microsoft Teams, Zoom oder eine eigene Fernüberwachungslösung. bizExaminer ist nur die Prüfungsplattform und lässt sich mit all diesen Lösungen flexibel nutzen. Aber es stimmt: Vor allem in Österreich und Deutschland ist Fernüberwachung ein heikles Thema, das erst durch die Pandemie so richtig Fahrt aufgenommen hat.

Stichwort Pandemie: Wie verbreitet sind digitale Prüfungen an Hochschulen bereits und wie stark war der Boom durch Corona?

Auch vor der Pandemie war digitales Prüfen an einzelnen Instituten und Hochschulen schon verbreitet. Das wurde meist über Moodle oder andere Open-Source-Lösungen abgewickelt. Manche Hochschulen hatten auch schon eine eigene e-Assessment-Abteilung, zum Beispiel die Universität Graz, die TU München oder die ETH Zürich.
Einen Boom hat Corona hauptsächlich beim fernüberwachten Prüfen ausgelöst. Darauf haben viele Hochschulen den Fokus gelegt. Strukturelle Überlegungen über digitales Prüfen haben meiner Meinung nach erst durch die Pandemie begonnen und die sind noch lange nicht zu Ende.

Was gilt es beim Abwickeln digitaler Prüfungen zu beachten?

Wenn mehrere tausend Studierende gleichzeitig eine Prüfung bestreiten, braucht es eine große technische Robustheit auf Seiten der Software. Diese Herausforderung ist aber für bizExaminer kein Problem, darauf sind wir ausgelegt.
Gerade auf Hochschulebene gilt es außerdem, die Prüfungssoftware in die bestehende Systemlandschaft zu integrieren. Je näher die Prüfungssoftware an die bestehenden Systeme angebunden ist, umso automatisierter sind die Prozesse von Single-Sign-on bis hin zur Übertragung von Ergebnissen und automatischen Protokollen an die hauseigenen Systeme.

Wie unterstützt ihr die Prüfer*innen mit eurer Prüfungssoftware noch?

Für jene Personen, die Prüfungen zusammenstellen, muss die Oberfläche einfach und intuitiv bedienbar sein, gleichzeitig aber auch Komplexität in der Fragestellung ermöglichen – mit unterschiedlichen Fragetypen oder Bedingungen. An Hochschulen hat man verschiedenste Professorinnen, Lehrende und Studienassistentinnen und alle erstellen Prüfungen. Manche arbeiten gemeinsam an Prüfungsinhalten, andere wollen ihre Fragestellungen nicht für andere einsehbar machen. Das braucht gutes Zugangsmanagement.

Diese Herausforderungen könnt ihr als Softwareanbieter und die Hochschule also gut lösen. Aber wie geht man beim Prüfen aus der Ferne mit akuten, individuellen Problemen wie schlechter Internetverbindung um?

Vor der Pandemie gab es hauptsächlich die kontrollierte Umgebung der Computerräume. Diese unterstehen der IT, der Prüfungsclient ist installiert, für die Studierende war alles vorbereitet. Beim Prüfen aus der Ferne auf dem eigenen Gerät ist das natürlich etwas spannender: Prüfungen mit bizExaminer laufen entweder über einen Browser oder über unseren eigenen Prüfungsclient. Der Client versetzt den Computer in einen sogenannten Kiosk-Modus, mit der Zugriff auf andere Programme eingeschränkt wird.
Bei bizExaminer braucht man nur für das Starten der Prüfung Internet, danach läuft sie auch ohne Verbindung zum Server weiter. Wenn beim Abgeben der Prüfung auch keine Internetverbindung vorhanden ist, kann man die Antworten als verschlüsselte Datei herunterladen und später per E-Mail schicken.

Die zwei Jahre Pandemie haben viele Veränderungen in der (digitalen) Lehre bewirkt. Stellt sich die Frage, ob man nun nicht wieder zum “alten Normal” zurückkehren kann. Was denkst du: Wohin geht der Trend?

Viele Hochschulen fragen sich aktuell, ob man auf die reine Präsenzlehre setzt oder einen hybriden Modus weiterführt. Denn eines ist klar: Durch Onsite-Betrieb ergeben sich Vorteile, aber natürlich auch Nachteile. Zu diesen Fragen gibt es jetzt meiner Meinung nach immer mehr Erfahrungsaustausch zwischen Hochschulen, vor allem zwischen den Universitäten. Man trägt alles Wissen aus den letzten zwei Jahren zusammen und versucht eine Strategie zu finden, um in den nächsten Jahren geordnet weitere Digitalisierungsschritte zu machen.

Du hast von Nachteilen der altbekannten Präsenzlehre gesprochen. Welche wären das deiner Meinung nach?

Studierende haben die letzten Jahre im Distance Learning verbracht und gelernt, dass Studieren nicht mehr an einen Ort gebunden sein muss. Mit einem hybriden Studium kann ich auf der ganzen Welt studieren und muss nicht zwingend am Campus sein. Außerdem gibt es eine riesige Auswahl an Studienangeboten. Dadurch bekommen heimische Bildungseinrichtungen jede Menge Konkurrenz. Es bleibt spannend, wie unsere Hochschulen in Zukunft ihre Einzigartigkeit beweisen werden und welche Rolle die digitale Lehre bei diesem Prozess spielt.

Bernhard Waglechner begann 1998 direkt nach seiner Lehre als IT-Trainer in der internen Ausbildungsabteilung von Siemens AG Österreich. Hier hat er erstmals eine digitale Lernplattform mit aufgebaut. Nach seinem Informatikstudium an der TU Wien war er als selbständiger Projektmanager und Softwareentwickler tätig. 2013 hat Waglechner die BizDevelop Informationstechnologie GmbH mitgegründet und mit seinem Team die Prüfungsplattform bizExaminer entwickelt. Mittlerweile unterstützt er mit seinem Team seit über acht Jahren Hochschulen, Zertifizierungsanbieter und öffentliche Institutionen in der digitalen Prüfungsabwicklung.

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