Semesterstart: So unterstützen Hochschulen Erstsemestrige auf dem Weg ins Studium

Wie unterstützen Hochschulen Erstsemestrige bestmöglich beim Start ins Studium? Wir haben mit Bertram Bühner (Goethe-Universität Frankfurt), Martin Ebner und Viktoria Pammer-Schindler (Technische Universität Graz) über die großen und kleinen Herausforderungen im neuen Leben als Student*in gesprochen.

01.09.2022

von Isabella Zick

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Das neue Studienjahr nähert sich mit großen Schritten. Die Vorbereitungen an den Hochschulen laufen auf Hochtouren, damit Erstsemestrige und bestehende Studierende möglichst reibungslos in ihr Studium starten können. Gerade für Studienanfänger*innen sind die ersten Wochen in dieser neuen Lebensphase unglaublich aufregend – und auch entscheidend darüber, ob man am Studium dranbleibt oder doch noch einmal ins Zweifeln gerät.
Wir haben uns deshalb die Frage gestellt, wie Hochschulen Erstsemestrige bestmöglich beim Eintritt ins Studium und in das neue Leben als Student*in unterstützen können. Was sind die größten Herausforderungen am Beginn eines Studiums? Und wie kann man die Interaktion zwischen Studierenden fördern? Geantwortet haben auf diese Fragen Bertram Bühner von der Goethe-Universität Frankfurt, sowie Martin Ebner und Viktoria Pammer-Schindler von der Technischen Universität Graz.

Der Semesterstart an TU Graz und Uni Frankfurt

Wenn innerhalb weniger Tage hunderttausende Studierende und Lehrende an den Hochschulen in Bewegung kommen, dann ist wieder Semesterstart. Junge Menschen kommen zum ersten Mal an den Campus, lernen einander und eine neue Lebensphase kennen. Den Beginn eines neuen Studienjahres markieren an der Technischen Universität Graz die Welcome Days. Wie in den Jahren zuvor, finden auch in diesem Herbst die Welcome Days zum Teil wieder online statt. Per Livestream werden den rund 1500 Studienanfänger*innen alle Services an der Uni und die Personen dahinter vorgestellt. „In kurzer Zeit geben wir geballte Information an die Studierenden”, erklärt Martin Ebner, Leiter der Abteilung Lehr- und Lerntechnologien, „man kann sich natürlich nicht alles merken, aber die Studierenden wissen im besten Fall: Ah, da war ja etwas und da kann ich nachfragen.”

In einem etwas kleineren Rahmen findet die Einführungsveranstaltung bei Bertram Bühner statt. Er war viele Jahre E-Learning-Koordinator am Zentrum für Naturwissenschaften der Goethe-Universität Frankfurt. Gerade zu Semesterbeginn steht er aber den Studierenden in „seinem” Studiengang Meteorologie zur Seite. „Am ersten Vorlesungstag begrüße ich unsere Studienanfänger*innen selbst. So lerne ich die Studierenden gleich persönlich kennen und sie kennen mich als Ansprechpartner”, sagt Bühner, „wir sind ein sehr kleines Studienfach und können daher alles in Präsenz abhalten.”

Selbstorganisation: Die große Herausforderung für Studienanfänger*innen

Egal ob in Frankfurt, in Graz oder an jeder anderen Hochschule – die Herausforderungen, vor denen Studierende am Beginn ihres Studiums stehen, sind ganz grundsätzliche: Selbstorganisation und Eigenverantwortung. „In Sachen Selbstorganisation macht die Universität wirklich die Radikalkur von der Schule zum eigenverantwortlichen Studieren”, sagt Viktoria Pammer-Schindler, Lehrende an der TU Graz, „man darf sich nicht darauf verlassen, dass sich jemand anderes um mein Studium kümmert.” Auch das Hineinfinden in den akademischen Betrieb ist eine große Herausforderung, denn besonders in technischen und naturwissenschaftlichen Studien gibt es keine lange Eingewöhnungszeit.

Man muss also schnell ins Studium hineinfinden – kleinen und großen Unsicherheiten zum Trotz. „Am Anfang werden kleine Unsicherheiten oft als große Probleme empfunden, die sich nach ein paar Wochen aber natürlich auflösen: Wie logge ich mich ins System ein? Wie finde ich den Raum?”, erinnert sich Bertram Bühner, „wichtiger ist: Wie schmeiße ich mich ordentlich an mein Studium ran? Wie sorge ich dafür, dass ich in den ersten Wochen gleich mitkomme?” 

Mit Interesse und Ehrlichkeit zum Studienerfolg

„Ich gebe meinen Studierenden immer drei wichtige Botschaften mit: 1. Informiert euch 2. Interessiert euch und 3. Seid ehrlich zu euch”, sagt Bühner. Besonders der erste Grundsatz „Informiert euch!” sei in seinem Studienfach Meteorologie besonders wichtig, um mit der richtigen Erwartungshaltung in das Studium zu gehen. „Manche kommen mit der Vorstellung, hier geht es ein bisschen um Wolken und Wettervorhersage und am Ende kommt man ins Fernsehen.” Dabei sind drei Viertel des Grundstudiums Physik – mit den Physik-Studierenden. Sich für das eigene Fach stark zu interessieren ist essentiell, um auch in schwierigen Zeiten durchzubeißen. Manchmal muss man aber auch ehrlich zu sich sein und die Reißleine ziehen, wenn das Fach vielleicht noch nicht das richtige ist. 

Studierende vernetzen: Digital oder in Präsenz?

Auch wenn Martin Ebner die Welcome Days digital durchführt, ist er – genau wie die TU Graz – der Meinung, dass das erste Kennenlernen zwischen Studierenden in Präsenz sein muss. „Dass man während Covid sehr viel im virtuellen Raum zusammen saß, war sehr problematisch”, erinnert sich Ebner, „man findet in der virtuellen Umgebung nicht so schnell heraus, mit wem man gut kann. Das ist eine der größten Herausforderungen für uns und auch der Grund, warum wir alles freigeräumt haben, damit die Erstsemestrigen-Veranstaltungen in Präsenz stattfinden können.

Man spricht mit den Nachbar*innen im Hörsaal, kommt bei den gemeinsamen Übungen zusammen oder lernt sich in der Bibliothek kennen. Diese ganz normalen sozialen Prozesse kann man virtuell nicht ersetzen. Es braucht das bilaterale Gespräch, bis man die Arbeitsweise und Arbeitshaltung voneinander kennt und weiß, ob man sich sympathisch ist.

Gemeinsam schafft man mehr als alleine

Ebenfalls in Präsenz findet das studentische Co-Mentoring von Bertram Bühners Team statt: Hier engagieren sich Studierende freiwillig und gestalten gemeinsam mit Professor*innen ein Mentoring für Erstsemestrige. „Bei diesem Projekt haben wir schon einiges ausprobiert und wollen auch weiterhin optimieren, um die Studierenden zusammenzubringen.”

Denn zusammen schafft man mehr als alleine. Dieser Meinung ist auch Viktoria Pammer-Schindler, die ihre Studierenden zum Austausch miteinander animiert. „Am Anfang des Studiums ist viel Selbstorganisation gefordert. Man darf aber auch nicht vergessen, den Austausch mit Lehrenden, anderen Studierenden oder Forschungsgruppen zu suchen und zu fordern. In einer guten Gruppe zieht man sich gegenseitig mit und kommt viel weiter.”

Mit diesen Ratschlägen wünschen wir allen Studierenden, Lehrenden und Hochschul-Mitarbeiterinnen einen erfolgreichen Start in das neue Studienjahr und den Studienanfängerinnen einen gelungenen Start in diese neue spannende Lebensphase.

Alles Liebe,
das Studo-Team

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