Digitale Lehre: Wie geht es den österreichischen Studierenden im 3. Lockdown?

Während sich ganz Österreich seit Weihnachten in einem zweiten harten Lockdown befindet, wird schon seit November von zu Hause aus studiert. Die Studierenden sind dabei oft auf sich allein gestellt und studieren digital - abseits von Hörsälen, Campus und Studienkolleg*innen. Einsamkeit und Stress sind die Folgen. So das Ergebnis der aktuellen Umfrage zu „Auswirkungen der COVID-19-Pandemie auf Studierende“ von Studo.

von Isabella Zick
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Nicht erst seit dem zweiten harten Lockdown befinden sich Österreichs Studierende im „Homeoffice“. An vielen Hochschulen ist man bereits mit Blended Learning in das aktuelle Wintersemester gestartet und so lernen Studierende nun bereits seit Monaten abseits von Hörsälen, Campus und Studienkolleg*innen. Um herauszufinden, wie die rund 335.0001 Studierenden in Österreich dieses Semester erleben, hat Studo die bereits dritte Umfrage zum Thema „Auswirkungen der COVID-19-Pandemie auf Studierende“ durchgeführt. 420 Studierende von Universitäten, Fachhochschulen und Pädagogischen Hochschulen haben Einblick in ihren Lernalltag und ihre mentale Gesundheit geben.

Mit Erfolg: Hochschulen haben die digitale Lehre wesentlich verbessert

Der radikale Umstieg von Präsenz- auf digitale Lehre stellte im Frühjahr 2020 die eLearning-Systeme der Hochschulen auf eine harte Probe. Die Lehren aus dem Frühjahr konnten die Hochschulen aber erfolgreich für das Wintersemester 2020/2021 ziehen, das für 90 % der Studierenden zumindest im Blended Modus (Anm.: teils Präsenz, teils digitale Lehre) begann. Während die Studierenden im vergangenen Sommersemester gegenüber dem digitalen Lehrangebot noch ein wenig skeptisch waren, bevorzugen mittlerweile zwei Drittel von ihnen Blended Learning oder reine digitale Lehre.

Grafik: Zwei Drittel der Studierenden sind mit der digitalen Lehre an ihrer Hochschule zufrieden.

Mehr als die Hälfte der Studierenden fühlen sich von ihrer Hochschule gut oder sehr gut unterstützt. Sie schaffen es außerdem, Lernfortschritte in ihrem Studium zu machen – auch wenn sich durch die Einstellung des Lehr- und Prüfungsbetriebs für rund die Hälfte der an der Umfrage teilnehmenden Studierenden das Studium verzögert.

Mehr Lernaufwand in Corona-Zeiten

Allerdings stehen die Studierenden auch vor einigen Herausforderungen: der Lernaufwand für das Studium hat sich für die befragten Studierenden maßgeblich erhöht. 9 von 10 Studierenden fühlen sich mit dem aktuellen Lernaufwand überfordert. Die Studierenden geben an, dass derzeit mehr von ihnen gefordert werde und es wenig Verständnis für weitere Aufgaben der Studierenden wie Betreuungspflichten oder die Pflege von Angehörigen geben.

Grafik: Neun von zehn Studierenden fühlen sich mit dem aktuellen Lernaufwand überfordert.

Einsamkeit, Überforderung, Hoffnungslosigkeit: mentale Gesundheit von Studierenden in Gefahr

Doch nicht nur die hohen Arbeitsanforderungen im Studium gefährden das Wohlbefinden der Studierenden. Durch die erhöhten Belastungen im Studium, die Isolation und die allgemeine Unsicherheit in allen Lebensbereichen wird die mentale Gesundheit von Studierenden enorm belastet. Nicht einmal ein Viertel der Studierenden fühlt sich in der aktuellen Zeit mit den Studienkolleg*innen verbunden. Dabei ist gerade der Austausch mit den Kolleg*innen und die soziale Interaktion in den Vorlesungen und Kursen unglaublich wertvoll. „Zu einem Studium gehören auch die Begegnungen am Campus, spontane Diskussionen im Kurs und das Lernen mit der Lerngruppe in der Bibliothek”, so die Rückmeldung der befragten Studierenden. In Anbetracht des andauernden Lockdown-Zustands fühlen sich viele mut- und hoffnungslos.

Grafik: Einsamkeit und Isolation sind eine große Herausforderung für Studierende. Weniger als ein Viertel der Studierenden fühlen sich aktuell mit ihren Studienkolleg*innen verbunden.

Lange gehegte Pläne – wie beispielsweise der Abschluss des Studiums oder das ersehnte Auslandssemester – müssen auf unbestimmte Zeit verschoben werden. Dies sorgt nicht nur für Unsicherheit und Ängste, sondern auch für Ärger und Wut. „All diese Emotionen sind normal, wenn wir uns an eine neue Situation anpassen müssen – sollten aber keinesfalls unter den Tisch gekehrt werden, da diese langfristig die Entstehung psychischer Erkrankungen begünstigen können“, betont Dr. Bernadette Frech, CEO von Instahelp, der Plattform für psychologische Beratung online. Gemeinsam mit dem Grazer Unternehmen Instahelp bietet Studo seit März 2020 das App-Feature Student Helpchat an. Hier können die Studierenden von über 140 zertifizierten Klinischen und Gesundheitspsycholog*innen bei mentalen Herausforderungen beraten lassen. Die Psycholog*innen beraten online im Chat, per Anruf oder Videocall – auch abends und am Wochenende.

Mehr zum Student Helpchat finden Sie hier.

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