Make or Buy: App-Lösungen für das Studium am Fallbeispiel FH Kärnten

Entwickeln wir eine eigene App oder nehmen wir das Produkt eines Drittanbieters? Vor dieser Frage stand die FH Kärnten vor einem Jahr. Chief Digital Officer Josef Anibas erzählt, wie die FH in der „Make-or-Buy”-Frage entschieden hat.

von Isabella Zick
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Die knapp 2700 Studierenden der FH Kärnten studieren an fünf Standorten quer verteilt im ganzen Bundesland. Verwaltet wird der Student-Life-Cycle über das Studienverwaltungssystem aCTIons. Dazu kommt aber auch noch eine App: Ursprünglich eine “Studentslife-App”, die von Mitarbeiter*innen und Studierenden entwickelt wurde, und die 2020 von der Studo App abgelöst wurde. Warum man sich gegen die Fortführung der eigenen App entschieden hat, weiß Chief Digital Officer Josef Anibas. Der Digitalisierungsexperte arbeitet seit 2019 an der Digitalisierungsstrategie der FH Kärnten und treibt die digitale Transformation in Lehre, Forschung und Verwaltung voran.

Die FH Kärnten hat bis vor ein paar Jahren ihre eigene App betrieben. Wie ist die Idee für diese App entstanden?

Das Projekt der „Studentslife-App” wurde im Jahr 2010 gestartet. Das war gerade die Zeit, als es mit Firmen-Apps so richtig los ging. Da entstand die Idee, dass wir auch für unsere Studierenden eine App zur Verfügung stellen könnten. Im Vorfeld wurden die Studierenden befragt, wofür so eine App nützlich sein könnte und welche Funktionen sie haben sollte. Aus der Marketingabteilung heraus wurde dann ein Projekt aufgesetzt, in dem zwei App-Entwickler - für IOS und Android – gemeinsam mit Studierenden aus dem Studiengang Netzwerk- und Kommunikationstechnik die technische Programmierung umsetzen.

Das Team konnte für das Konzept und die Umsetzung im Jahr 2011/2012 auch Awards gewinnen. In den letzten Jahren waren es dann zwei Kollegen, die die App laufend gemeinsam mit der IKT-Abteilung weiter entwickelten und optimierten.

Welche Funktionen hatte die App der FH Kärnten?

Die Hauptfunktionen waren der Stundenplan, eine Übersicht über Lehrveranstaltungen und die Noten. Weiters wurden Links – zum Beispiel zu News oder Veranstaltungen – integriert.

„Make or Buy” – wie kommt eine Hochschule bei dieser Frage zu einer Entscheidung?

Die beiden Kollegen, die die Entwicklung hauptsächlich vorangetrieben haben, haben in der FH andere wichtige Aufgaben übernommen – unter anderem den Aufbau eines neuen Studienganges. Aufgrund der fehlenden Kapazität für die qualitative Weiterentwicklung und den Betrieb unserer App, musste eine Entscheidung getroffen werden. Es stand zur Auswahl, personelle Ressourcen aufzustocken oder eine bestehende Lösung zu kaufen. Wir haben uns dann für Zweiteres entschieden – natürlich nur unter der Voraussetzung, dass der Partner auch eine entsprechende Reputation am Markt hat.

Seit 2020 ist die Studo App an der FH Kärnten im Einsatz. - Foto: Burst, Pexels

Welche Erwartungen haben die Studierenden der FH Kärnten an eine Studierenden-App?

Die Studierenden erwarten eine benutzerfreundliche und übersichtliche App, die ihnen in kurzer Zeit die relevanten Informationen bereitstellt. Features wie Stundenplan, Notenübersicht und Zugang zu unserem Studienverwaltungssystem sind essentiell. Außerdem sehen die Studierenden großen Nutzen in einer Chatfunktion, Push-Benachrichtigungen, Individualisierungsmöglichkeiten, einer Social Wall und Schnittstellen zu unserer Lernplattform Moodle. Diese Informationen hat eine Studierendengruppe erarbeitet, die eine wichtige Basis für die Umsetzung mit Studo waren.

Was ist für Sie als IT-Experten besonders wichtig bei einer Studierenden-App?

Neben der Benutzerfreundlichkeit und der Verfügbarkeit des Services für alle Smartphone-Betriebssysteme, ist es essentiell, dass die App stets am aktuellen Stand der Technik und mit höchsten Sicherheits- und Qualitätsstandards ausgestattet ist. Besonders wichtig sind mir der Datenschutz und die Barrierefreiheit, um allen Studierenden den Zugang zu studienrelevanten Informationen jederzeit und ortsunabhängig zu ermöglichen.

Der Großteil der Bedürfnisse unserer Studierenden wird von Studo bereits abgedeckt. Für uns als Hochschule ist es aber auch wichtig, eigene Features in Studo abgebildet zu haben. Diese Möglichkeit besteht bei der Zusammenarbeit mit Studo.

Wie funktionierte die Adaptierung von eigenen Systemen in die Studo App?

Das Anlegen der Schnittstellen und die Adaptierung der eigenen Systeme in der Studo App sind sehr gut verlaufen. In jenen Fällen, in denen eine tiefergehende Abstimmung gefunden werden musste, konnten unsere Kolleg*innen sich direkt mit dem Technik-Team von Studo austauschen und es wurde für jede Herausforderung eine Lösung gefunden.

Was sind die Vorteile von Studo aus Ihrer Sicht?

Studo entwickelt seit 2016 auf professioneller Basis Hochschul- und Studierenden-Apps. Das gebündelte Know-How des Teams fließt in alle Belange ein, daher ist die App stets am aktuellen Stand der Technik und entspricht unseren Anforderungen. Wir schätzen es sehr, dass Feedback kompetent und schnell aufgenommen wird und wir einen Teil zur stetigen Weiterentwicklung beitragen können.

Josef Anibas, MSc, ist verantwortlich für die Digitalisierung und Digitale Transformation an der FH Kärnten. Bis zu seinem Wechsel nach Villach 2019 war er lange Jahre in der Unternehmensberatung mit Schwerpunkt auf Digitalisierungsprojekte im öffentlichen und privaten Sektor tätig.

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