Flexibel und lebenslang lernen: Hochschulische Weiterbildung mit Microcredentials

Studierende, Berufstätige und Interessierte können sich mittels Microcredentials weiterbilden – international, flexibel und maßgeschneidert nach eigenen Interessen. Doch was genau sind Microcredentials, wie werden Qualität und Anerkennung dieser Zertifizierung gewährleistet und welche Angebote gibt es bereits? Dieser Artikel widmet sich diesem neuen Bildungsangebot für lebenslanges Lernen.

21.01.2026

von Isabella Zick

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Unsere Gesellschaft entwickelt sich rasant weiter, die Bedürfnisse des Arbeitsmarktes verändern sich laufend und auch das Interesse an persönlicher Weiterentwicklung – ein Leben lang – heutzutage ungebremst hoch. Aus dieser Motivation heraus hat sich in den vergangenen Jahren ein neues Bildungsangebot entwickelt. Weniger aufwändig in Sachen Zeit und Ressourcen als ein klassisches Studium, aber tiefgehender als einzelne Fachvorträge scheinen sie das perfekte Mittelmaß und großer Hoffnungsträger für die Weiterbildung der Zukunft zu sein: Microcredentials.

Definition: Was sind Micro-Credentials?

Als flexible und leicht zugängliche Lernmöglichkeit bezeichnet die Europäische Kommission Microcredentials: „Mikro-Zertifikate bescheinigen die Lernergebnisse von kurzfristigen Lernerfahrungen, beispielsweise von Kurz-Kursen oder Schulungen. Sie bieten eine flexible, zielgerichtete Möglichkeit, Menschen dabei zu unterstützen, die für ihre persönliche und berufliche Entwicklung erforderlichen Kenntnisse, Fähigkeiten und Kompetenzen zu erwerben.“

Die deutsche Hochschulrektorenkonferenz (HRK) ergänzt in ihrer Studie zum Thema Microcredentials: „Die Microcredentials-Idee generalisiert schon länger vorhandene Tendenzen zur Modularisierung in der Bildung bzw. im Zuge des lebenslangen Lernens, beobachtbar etwa im Weiterbildungsbereich und innerhalb von Studiengängen. Das maßgebliche Ziel dabei ist eine bessere Passung der angebotenen Formate und Inhalte mit den sich immer schneller verändernden und zunehmend spezieller werdenden Kompetenzbedarfen des Arbeits- und Lebensalltags.“

Das österreichische Bundesministerium für Frauen, Wissenschaft und Forschung (BMFWF) weist außerdem auf die individuellen Vorteile durch Microcredentials hin: „Lernerfahrungen, die zum Erhalt von Microcredentials führen, sind so konzipiert, dass sie den Lernenden spezifische Kenntnisse, Fertigkeiten und Kompetenzen vermitteln, die dem gesellschaftlichen, persönlichen, kulturellen oder arbeitsmarktbezogenen Bedarf entsprechen.“

Microcredentials finden häufig als Online-Kurse statt. - Foto: Sanni Sahil, Unsplash

Microcredentials weisen also die Beherrschung einer bestimmten Fertigkeit oder eines bestimmten Wissensbereichs nach. Sie ermöglichen es, flexibel und mit einem geringeren Ressourcenaufwand – im Vergleich zu einem vollen Studienprogramm – Lernfortschritte und Zertifizierungen zu erreichen, ganz im Sinne des Lifelong-Learnings (LLL). Der Umfang eines Microcredentials kann zwischen einem und 30 ECTS liegen, im Schnitt werden 5 bis 10 ECTS-Punkte pro Microcredential vergeben.

Oftmals werden Microcredentials als reine Online-Kurse inkl. Online-Prüfung angeboten und sind somit besonders einfach zugänglich. Darüber hinaus können sie mit anderen Lernmodulen kombiniert oder „gestapelt“ werden. Übrigens: Laut Europäischer Kommission, HRK und BMFWF sind Microcredentials aktuell nicht als Ersatz für klassische Studienprogramme gedacht. Auch wenn man Microcredentials, wie erwähnt, stapeln kann („Stackability“), sollen sie kein Curriculum ersetzen und können auch (noch) nicht zu einem Bachelor- oder Masterabschluss führen.

Vorteile von Microcredentials auf einen Blick

Microcredentials sind flexibel und nach persönlicher Interessenlage auswählbar. Mittels Online-Kursen, oftmals auf Englisch, sind sie über die Grenzen einer Hochschule bzw. eines Standorts hinaus zugänglich. Dadurch sind sie ein spannendes Angebot, das Weiterbildung auf internationalem Niveau ermöglicht – so werden Microcredentials zum Beispiel auch gerne im Verbund von European University Alliances angeboten, wie die Beispiele am Ende des Artikels zeigen.

Im Vergleich zu einem vollwertigen Studium erfordern sie mit durchschnittlich 5-10 ECTS weniger zeitlichen und monetären Aufwand, was die Zugänglichkeit nochmals erhöht. Mit dem Fokus auf das rasche Erlernen neuer Fähigkeiten sind Microcredentials ein wichtiger Baustein für Karrierefortschritte und persönliche Weiterentwicklung.

Apropos Baustein: Microcredentials sind modular aufgebaut und können mit weiteren Microcredentials kombiniert werden. Zum Thema „Stackability“ schreibt die Europäische Kommission, dass Microcredentials „kombiniert werden können, um größere Qualifikationen zu schaffen. Ob Microcredentials ‚gestapelt‘ werden dürfen, liegt in der Entscheidungsgewalt der empfangenden Organisation (z. B. Bildungseinrichtungen oder Arbeitgeber). Das Stapeln führt nicht automatisch zu einem Anspruch auf eine Qualifikation oder einen Studienabschluss.“

Vorteile von Microcredentials - Diagramm: Studo, inspiriert von Mastersoft.ai

Neues Bildungsangebot, neue Herausforderungen

Microcredentials haben großes Potenzial in der individuellen Weiterentwicklung, bedeuten aber auch neue Herausforderungen für Bildungseinrichtungen im Bereich von Qualitätssicherung, Anerkennung und Durchlässigkeit:

So betont das BMFWF beispielsweise in seinem Positionspapier, dass Microcredentials auf den nationalen Qualitätssicherungsmechanismen und den European Standards and Guidelines for Quality Assurance (ESG) basieren müssen. Damit liegt die Hauptverantwortung für die Qualitätssicherung primär bei den Hochschulen, die die Qualität von Microcredentials durch ihr internes QM-System sicherstellen müssen. Auch nicht-hochschulische Einrichtungen, national wie international, können Microcredentials anbieten. Hier ist die individuelle Qualitätssicherung gefordert, um Zertifizierungen zu vergeben, die von anderen Bildungseinrichtungen auch wirklich anerkannt werden. Denn: Es besteht kein Rechtsanspruch auf Anerkennung von Microcredentials, wie das BMFWF betont. „Die Zuständigkeit für die Anerkennung von Microcredentials liegt bei der jeweiligen Hochschule bzw. den zuständigen Programmleitungen. (...) Es bedarf in der Regel auch einer Einzelfallentscheidung seitens der Hochschule.“

National und international: Ein Blick in das Angebot von Microcredentials

Wie läuft das Erwerben von Microcredentials ab? Was kann man alles lernen? Nach einer Begriffsdefinition sowie der Analyse der Vorteile und Herausforderungen von Microcredentials, gibt es zum Abschluss einen exemplarischen Überblick über aktuelle Angebote:

  • Die Universität Innsbruck bietet als Teil der Aurora European University Alliance einen Microcredential zum Thema Climate Action & Sustainability Communication im Ausmaß von 5 ECTS an.

  • Als eine der ersten österreichischen Hochschulen überhaupt hat das MCI Management Center Innsbruck bereits vor mehreren Jahren begonnen, Microcredentials anzubieten. Zahlreiche Kurse – von BWL und Management bis hin Interkultureller Kompetenz und Statistik – können im Ausmaß von jeweils 5 ECTS belegt werden.

  • Kostenlos besucht man an der Universität Graz den Micro Degree Künstliche Intelligenz und Gesellschaft. Dieser Microcredential dauert zwei Semester und umfasst 16 ECTS.

  • Die TU Bergakademie Freiberg ist Teil der EURECA-PRO University Alliance und bietet einen Microcredential zum Thema Science Ethics and Research Integrity an, der für Studierende, aber auch für im Fachbereich tätige Personen und die allgemeine Öffentlichkeit kostenlos und offen zugänglich ist.

  • Ebenfalls in Kooperation mit ihrer European University Alliance veranstaltet die Universität Rostock gemeinsame Microcredentials zu diversen Themen.

  • An der deutschen Universität Ulm gibt es über die School of Advanced Professional Studies beispielsweise Microcredentials zum Thema Blended Learning – Psychologie und Pädagogik mit 4 ECTS.

  • Weitere spannende Beispiele hebt die Hochschulrektorenkonferenz in ihrer Studie hervor.


Quellen:

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