Studierbarkeit – Qualitätssicherung an Hochschulen

Mindeststudienzeit und Workload - diese beiden Begriffe stehen in ständigem Konflikt. Dank dem Faktor Studierbarkeit soll sich das ändern.

Montag, 14. Oktober 2019
von Isabella Zick
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Mindeststudienzeit und Workload – diese beiden Begriffe stehen in ständigem Konflikt. Das soll sich in Zukunft ändern, denn die österreichischen Hochschulen wollen die Studierbarkeit erhöhen. Was das Buzzword “Studierbarkeit” bedeutet, wie die Qualität der Studien auf langfristig gesichtert wird und wie die Medizinische Universität Graz in diesem Bereich als Vorreiter agiert, erfahren Sie hier.

Was bedeutet Studierbarkeit?

Die AQ Austria ist für Qualitätssicherung und Akkreditierung zuständig und hat vor kurzem einen Report zur Entwicklung der Qualitätssicherung an Hochschulen veröffentlicht. Den Begriff der Studierbarkeit erklärt die AQ Austria so:

“Hochschulen sollen durch die Schaffung entsprechender struktureller Rahmenbedingungen und die Bereitstellung unterstützender Angebote das Absolvieren eines Studiums in der vorgesehenen Dauer möglich machen.”

Das bedeutet, die Hochschulen sollen die Studierenden dabei unterstützen, das Studium mit einem zumutbaren Workload in der vorgesehenen Dauer abzuschließen. Alle drei Hochschulsektoren – Universitäten, Privatuniversitäten und Fachhochschulen – sind sich bewusst, wie wichtig die Studierbarkeit für die Studierenden ist. Öffentliche Universitäten haben deshalb zum Beispiel Beratungen, Betreuung und Unterstützung der Studierenden (Student Support) ins Leben gerufen. Die Studierenden müssen sich nämlich im Klaren sein, welches Studium zu ihnen passt und welche inhaltlichen und zeitlichen Anforderungen gefragt sind.

Das Studium “studierbar” machen

Neben den bereits erwähnten Beratungsangeboten sind sich die Hochschulvertreter einig, dass es mehr Flexibilität für berufstätige Studierende braucht. Besonders Fachhochschulen legen bereits einen größeren Augenmerk auf flexible Studienmodelle. Barbara Birke, eine der AutorInnen des Reports der AQ Austria erklärt, warum Flexibilität für die Studierbarkeit ausschlaggebend ist:

Obwohl ein Großteil der Studierenden berufstätig ist, wird erwartet, dass sie die Studien ohne zeitliche Verzögerung, also in der Mindeststudiendauer, absolvieren. Hier sollte über Veränderungen zur flexibleren Gestaltung der Studienstrukturen auf bildungspolitischer Ebene nachgedacht werden.“

Ein weiterer Faktor, um das Studium “studierbar” zu machen, ist der Workload, die Studierenden in den verschiedenen Lehrveranstaltungen erwartet. Dieser muss den vergebenen ECTS entsprechen, damit die Studierenden ein zumutbares Arbeitsvolumen pro Semester erledigen können und somit den Abschluss in der vorgesehenen Studiendauer schaffen. Ein ECTS bedeutet den Aufwand von 25 Arbeitsstunden.

Fallbeispiel: Wie die Med Uni Graz und Studo die Studierbarkeit evaluieren

Die Medizinische Universität Graz und das Grazer EdTech-Unternehmen Studo haben ebenfalls die Notwendigkeit der Studierbarkeit erkannt. Das bereits 12 Semester dauernde Medizinstudium sollte idealerweise nämlich auch in dieser Zeit abgeschlossen werden. Ein erster Schritt in diese Richtung ist die Zusammenarbeit mit Studo. Die Organisations-App für Studierende wird bereits von den meisten Studierenden der Med Uni Graz genutzt und ist deshalb die ideale Plattform für das gemeinsame Projekt: eine Workloaderhebung im App-Format.

Indem die Studierenden ihren täglichen Aufwand für die Lehrveranstaltungen in der App dokumentieren, lässt sich der tatsächliche Aufwand für die ECTS messen. So will die Medizinische Universität Graz auf lange Sicht das Curriculum weiterentwickeln. Die Erhebung hat in den letzten Semestern eine sehr gute Rücklaufquote gezeigt, was vor allem daran liegt, dass die Studierenden die Studo-App täglich nutzen und die Erhebung schnell und einfach erledigt ist. Die Workload-Erhebung wurde durch die umfassenden Ergebnisse zu einem wichtigen Faktor in der Qualitätskontrolle des Studienplans. Nach diesem erfolgreichen Projekt haben die Veterinärmedizinische Universität Wien und die Technische Universität Graz ebenfalls beschlossen, gemeinsam mit Studo eine Workloaderhebung für ihre Studierenden anzubieten und somit die Qualität ihrer Studien zu sichern.

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