Corona-Krise: Auf diese digitalen Tools setzen Hochschulen

Das Coronavirus zwingt die österreichischen Hochschulen zur Schließung. Auch deutsche Hochschulen stellen die Präsenzlehre ein. Man weicht auf die Online-Lehre aus. Welche Tools nutzen Hochschulen, um die Lehre während der Corona-Krise digital fortzuführen?

von Isabella Zick
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Seit die österreichische Bundesregierung am 11. März verkündet hat, dass alle Hochschulen geschlossen werden, herrscht Ausnahmezustand an den Hochschulen und Hochkonjunktur in den sozialen Medien. „Bis auf weiteres fallen Präsenz-Lehrveranstaltungen aus. Der Lehrbetrieb wird so weit wie möglich über das Online-Angebot fortgeführt”, das verkünden die Kommunikationsabteilungen der österreichischen Hochschulen. Die Studierenden reagieren auf diese Maßnahmen unterschiedlich: Manche freuen sich über ausgefallene Lehrveranstaltungen, andere sind aufgrund abgesagter Prüfungen schockiert, wieder andere – und zu jenen gehören auch wir – sind neugierig auf das angekündigte Online-Angebot.

Wir haben bei Hochschulen nachgefragt, wie der Lehrbetrieb während der Corona-Krise fortgeführt wird, welche Tools in der digitalen Lehre genutzt werden und über welche Kanäle die Hochschulen Studierende über weitere Maßnahmen informieren.

Hochschul-Kommunikation in der Corona-Krise

Während deutsche Hochschulen erst teilweise schließen – der Beginn des Sommersemesters wurde in einigen Bundesländern auf den 20. April bzw. 4. Mai verlegt (Stand: 13. März)  –, sind in Österreich seit 11. März alle Hochschulen gesperrt. Die Uni Innsbruck wechselte als erste österreichische Hochschule bereits davor von Präsenz- zu Fernlehre. Verkündet wurden diese Schließungen per Mail und über Twitter, Facebook und Co. Auch der Newsfeed der Studo App wurde in diesen Tagen von Hochschulen und Hochschulvertretungen dafür genutzt, die Studierenden zu informieren. Neben den allgemeinen Informationen zum weiteren Verlauf des Lehr- und Prüfungsbetriebs, wurden auch die Alternativen zur Präsenzlehre vorgestellt: Tools für die digitale Lehre.

Die digitale Kommunikation an mehreren Hochschulen wurde neben den Updates per Mail und auf Social Media auch auf Live-Ticker ausgeweitet. Die Karl Franzens Universität Graz und die FH Salzburg halten ihre Studierenden auf diesem Weg über die Entwicklungen der Corona-Krise auf dem Laufenden. Meinhard Lukas, Rektor der Johannes-Kepler-Universität Linz, informierte seine Studierenden per Videobotschaft auf Youtube über weitere Maßnahmen – mit Erfolg: Das Video wurde innerhalb eines Tages über 11.000 Mal angesehen.

Digitale Tools für die Online-Lehre

Mit der Corona-Krise wird nun erstmals die digitale Infrastruktur der Hochschulen auf die Probe gestellt. Seit Jahren ist digitale Lehre ein Gesprächsthema und jetzt zeigt sich, wer bei diesem Thema die Nase vorne hat. Für Elmar Krainz, Studiengangsleiter “Mobile Software Development” an der FH JOANNEUM, ist die Effizienz der Online-Lehre ein wichtiges Thema: “Neben dem technischen Know-how ist im Onlinebereich auch die Didaktik besonders wichtig. Es macht einen sehr großen Unterschied, ob eine Lehrveranstaltung im Hörsaal oder online stattfindet. Nur der richtige Mix aus Präsentation und Interaktion macht die Online-Lehre für unsere Studierenden spannend. Durch die langjährige Erfahrung gelingt es uns, E-Learning ebenso effizient zu gestalten wie den Präsenzunterricht.“

Sebastian Horndasch, Leiter der Öffentlichkeitsarbeit des deutschen Hochschulforum Digitalisierung, stimmt Krainz hier zu: „Man lernt mit digitalen Tools in der Regel anders. Ein analoges Format einfach zu digitalisieren, funktioniert meist schlechter. Wenn man die Stärken von digitalen Plattformen nutzt, kann Lernen im Digitalen dagegen sehr, sehr gut funktionieren.”

Welche Tools genutzt werden, ist von Hochschule zu Hochschule unterschiedlich. Das deutsche Hochschulforum Digitalisierung hat mit einer Umfrage die am häufigsten genutzten digitalen Tools herausgefunden. „Mit größter Intensität wird klar Adobe Connect genutzt”, so Horndasch. Allerdings ist an vielen deutschen Hochschulen noch nicht klar, wie die weitere Vorgehensweise in der Corona-Krise aussehen wird. Vorreiter ist Bayern: Bis auf weiteres wurden vom Bayerischen Staatsministerium alle Lehrveranstaltungen abgesagt. Das betrifft die beiden großen Hochschulen in München, die Technische Universität München (TUM) und die Ludwig-Maximilians-Universität München. Für das weitere Sommersemester werden den Lehrenden an der TUM die Streaming-Tools Pexip, Adobe Connect, Mediasite und Jitsi Meet empfohlen, mit denen Vorlesungen und Besprechungen online abgehalten werden können. An der Humboldt-Universität zu Berlin wurde der Sommersemesterstart auf den 20. April verschoben und in dieser vorlesungsfreien Zeit alle Präsenzveranstaltungen abgesagt. Der Ersatz durch Online-Angebote wird geprüft.

In Österreich wird beispielsweise an der FH JOANNEUM verstärkt auf den virtuellen Campus Moodle und Microsoft Teams gesetzt, während an der Technischen Universität Graz eine Kombination aus TeachCenter (Moodle), TUbe und iMoox zum Einsatz kommt. An der Universität Wien setzt man auf home-learning, an der Wirtschaftsuniversität Wien wird Distanzlehre über das Lernmanagement-Tool LEARN betrieben.

Zusammengefasst wird also von vielen deutschen Hochschulen Adobe Connect zur Übertragung von Vorlesungen genutzt. Außerdem ist die Lernmanagement-Plattform Moodle an den meisten Hochschulen im Einsatz. Microsoft Teams, Youtube-Live-Videos und Zoom sind weitere digitale Hilfsmittel zur Übertragung von Vorlesungen. Außerdem gibt es auch eigene Systeme wie TUbe an der TU Graz und LEARN an der WU Wien. Für Studierenden-Lerngruppen eignen sich auch Skype oder TeamSpeak, eine proprietäre Sprachkonferenzsoftware - sprich ein eigener Server, über den man kommunizieren und Dateien austauschen kann.

Profitiert die digitale Lehre vom Coronavirus?

„Die Corona-Krise wird sicher zu mehr Lernen im Digitalen führen. Aber für Freude gibt es da gerade keinen Anlass, die Corona-Krise ist viel zu ernst”, sagt Sebastian Horndasch vom Hochschulforum Digitalisierung.

Da nun Studierende und Lehrende zur Nutzung der digitalen Tools gezwungen sind, wird sich zeigen, welche Mittel sich gut eignen und wo noch optimiert werden muss. Im Ernstfall zeigt sich aber: Dank sozialen Medien und digitalen Tools können Hochschulen die Studierenden informieren und auch die Lehre kann trotz Corona-Krise weitergehen.

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