Was ist Datensouveränität?
Unter Datensouveränität versteht man die Fähigkeit, selbstbestimmt über die eigenen Daten und deren Nutzung, Verarbeitung und Speicherung zu bestimmen. Für die Europäische Union ist es von größter Relevanz, die Kontrolle über europäische Daten zu bewahren und so die Unabhängigkeit von ausländischen Großkonzernen und Nationen, beispielsweise den USA oder China, zu sichern. Um die European Data Sovereignty zu sichern, sind neben rechtlichen Schritten auch technologische Unabhängigkeit und die wirtschaftliche Selbstbestimmung europäischer Unternehmen essentiell.
Fehlende Datensouveränität stellt in mehrfacher Hinsicht eine Gefahr für die EU und ihre Bürger*innen dar: Neben dem Kontrollverlust über sensible Personen- und Geschäftsdaten droht auch geopolitische Erpressbarkeit bei Konflikten oder IT-Ausfällen. Wirtschaftlich ist auch die technologische und finanzielle Gebundenheit an nicht-europäische Anbieter ein großes Risiko. So ist es nicht verwunderlich, dass die Europäische Union seit einigen Jahren vermehrt Maßnahmen setzt, um die Kontrolle über die eigenen Daten (wieder-)herzustellen und zu sichern.
Souveränität rechtlich sichern: Maßnahmen der EU
Aktuell ist die Europäische Union bei mehr als 80 % der wichtigsten digitalen Produkte, Dienstleistungen und Infrastrukturen auf Drittländer, größtenteils die USA und China, angewiesen. Um die eigene wirtschaftliche und geopolitische Unabhängigkeit zu sichern und internationale Tech-Giganten wie Microsoft, Google oder Amazon in ihrer Nutzung europäischer Daten einzuschränken, ist die European Data Sovereignty von großer Relevanz für die EU. Schließlich sollen Daten, die in Europa von Bürger*innen oder Unternehmen erzeugt werden, auch europäischem Recht unterliegen.
80 % der wichtigsten digitalen Produkte für EU-Bürger*innen stammen nicht aus der EU. Ein Risiko in Sachen Datensouveränität. - Foto: The Six, Pexels.Prinzipien und Rechte der Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) und Regulierungen wie der EU Data Act oder der European Data Governance Act sollen zu größerer Datenunabhängigkeit beitragen und eine Hoheit über die eigenen Daten (wieder-)herstellen. Zusätzlich sollen diese rechtlichen Schritte verhindern, dass durch ausländische Gesetze wie beispielsweise dem US CLOUD Act willkürlich Zugriff auf europäische Daten gewährt wird.
Darüber hinaus arbeitet die Europäische Kommission an weiteren Maßnahmen, die die digitale Autonomie der EU stärken sollen: Die Europäische Kommission möchte ihren Technologieeinsatz grundlegend verändern und hat dafür beispielsweise Anfang Juni 2026 ein Maßnahmenpaket zur Tech-Souveränität verabschiedet. Darin enthalten sind Gesetzesvorschläge rund um Cloud und AI Development, die Open-Source-Strategie der EU und ein Fahrplan für Digitalisierung und KI im Energiebereich. Außerdem werden eigene europäische Cloud-Lösungen (z. B. Gaia-X) und Bezahldienste (z. B. Wero) entwickelt. So stärkt Europa seine Wettbewerbsfähigkeit, Widerstandsfähigkeit und Sicherheit und stellt strategische Autonomie bei digitalen Schlüsseltechnologien sicher.
Datensouveränität im europäischen Hochschulsektor
Universitäten und Hochschulen bestehen aus gigantischen, sensiblen Datenmengen und produzieren laufend neue Daten durch die Arbeit in Forschung, Lehre und Verwaltung. Wie die gesamte EU sind auch Hochschulen stark von großen, nicht-europäischen Tech-Konzernen wie Microsoft oder Google abhängig. Aus diesen Gründen ist auch für den europäischen Universitäts- und Forschungssektor das Thema Datensouveränität von existentieller Bedeutung.
Eigene digitale Lösungen, gehostet innerhalb der EU, sind für europäische Hochschulen eine wichtige Alternative. - Foto: Christina Morilla, Pexels.Zusätzlich steht der Hochschulsektor aber noch vor einer weiteren Herausforderung: das Spannungsfeld zwischen Offenheit der Wissenschaft (Open Science) und dem europäischen Anspruch an Datenschutz und -souveränität. Die EU fordert den Wandel hin zu Open Science, um wissenschaftliche Erkenntnisse und Daten nach dem FAIR-Prinzip (Findable, Accessible, Interoperable, Reusable) frei zugänglich zu machen. Gleichzeitig müssen Universitäten und Hochschulen aber kontrollieren können, dass Spitzenforschung (z. B. im Bereich KI, Quantencomputing oder Medizin) nicht unkontrolliert abfließt oder von kommerziellen Plattformen außerhalb Europas monopolisiert wird.
Wie Hochschulen Datensouveränität vorleben und fördern
Für Universitäten und Hochschulen bedeutet Datensouveränität akademische Freiheit. Denn: Nur wer die Kontrolle über seine Infrastruktur und Forschungsdaten hat, kann unabhängig und im öffentlichen Interesse Wissen schaffen.
Die Vordenkerrolle von Universitäten und Hochschulen im Hinblick auf Datensouveränität zeigt sich daran, dass schon früh erkannt wurde, dass europäische Lösungen gefördert und wenn möglich auch gegenüber nicht-europäischen Lösungen bevorzugt werden sollten. Auf EU-Ebene ist die European Open Science Cloud (EOSC) ein neues Vorzeigeprojekt: Die zu 100 % europäische Plattform soll Forschenden ermöglichen, Daten über Grenzen und Forschungsbereiche hinweg zu speichern, zu veröffentlichen und zu analysieren.
Auf Hochschulebene gibt es zahlreiche europäische Anbieter, die seit Jahrzehnten Administration, Lehre und Forschung mit Software-Lösungen begleiten. Campus-Managementsysteme wie CAMPUSonline oder HIS, ID-Lösungen wie Secanda, Access-Management-Provider wie Salto oder ELATEC oder Softwareanbieter wie Studo haben sich dem europäischen Hochschulsektor und der European Data Sovereignty verschrieben.
